K98k mit ZF41/1

Karabiner K98k mit Zielfernrohr ZF41/1

Karabiner K98k mit Zielfernrohr ZF41/1

“Designated Marksman Rifle” der ersten Stunde

Vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde die dezidierte Scharfschützenausbildung in Deutschland vernachlässigt. Die Leistungsnormen der standardisierten Schützenausbildung wurde als genügend angesehen und die besten Schützen wurden als Gruppenscharfschützen auf Stufe Gruppe eingeteilt. Diese Gruppenscharfschützen waren in der Lage mit sehr gezieltem Einzelfeuer Ziele jenseits 300m oder kleinere Ziele in kürzerer Distanz zu bekämpfen. Die frühen Kriegserfahrungen in Polen und Frankreich zeigten jedoch, dass die Gruppenscharfschützen ihre Treffgenauigkeit erhöhen mussten, um auch noch kleinere Ziele wie zum Beispiel Bunkeröffnungen zu treffen. Die Konstruktion des ZF41 wurde daher aus einem 1939 begonnenen Projekt übernommen, nicht als Zielfernrohr für eine Scharfschützenwaffe, sondern als Hilfsmittel für Gruppenscharfschützen.

Ab 1941 wurde das kurze Zielfernrohr 41 an einigen Karabiner 98k für den Scharfschützeneinsatz montiert. Das ZF41 war in der Tat der erste Versuch, dem einfachen Infanteristen ein Gewehr zur Verfügung zu stellen, das, wenn schon nicht für das reine Scharfschiessen, so doch zumindest für die Rolle des Gruppenscharfschützen verwendet werden konnte. Heute haben die meisten modernen Armeen irgendeine Form von zusätzlicher optischer Zielvorrichtung an Infanteriewaffen (wie z.B. das ACOG-Zielfernrohr) eingeführt. Auch die Zielfernrohrschützen der Schweizer Armee werden und wurden diesbezüglich ausgebildet. Ursprünglich war geplant, die meisten Kampfeinheiten mit den ZF41-Zielfernrohren auszurüsten, dazu kam es nicht mehr. Obwohl für den Einsatz durch Gruppenscharfschützen vorgesehen, war die Wehrmacht 1942 und im weiteren Verlauf des Krieges verzweifelt knapp an mit Optik augerüsteten Scharfschützengewehren und das ZF41 wurde als Scharfschützenzielfernrohr in Dienst gestellt und für nicht mehr für seinen ursprünglichen Verwendungszweck eingesetzt.

Obwohl das Design für das Präzisionsschiessen mit normalen Infanterieeinheiten nützlich war, wurde es von Scharfschützenschulen im Allgemeinen abgelehnt und von Scharfschützen nicht gemocht, weil das 1,5-fach vergrössernde Zielfernrohr für ein effektives Schießen auf grosse Entfernungen als unzureichend erachtet wurde. Probleme waren der extreme Augenabstand des Zielfernrohrs, die Funktion bei schlechtem Licht und die geringe Vergrösserungsleistung. Dennoch wurde das Zf-41 in Ermangelung besserer Zielfernrohre zu Beginn des Krieges an der Ostfront von Scharfschützen eingesetzt, wobei aber viele deutsche Scharfschützen erbeutete sowjetische Gewehre und speziell ausgerüstete deutsche Gewehre mit zivilen Zielfernrohren wie das alte Gewehr 98 bevorzugten.

Die ZF41 aus der frühen Produktion wurden im Werk auf speziell ausgewählte präzise K98k-Karabiner abgestimmt und auf diese ausgerichtet. Als die Produktion expandierte um die Produktion von Scharfschützen zur Erfüllung der Nachfrage zu erhöhen, entwickelten die Deutschen eine vor Ort austauschbare Montage. Diese konnte von einem Waffenmechaniker montiert und einfach am Gewehr befestigt werden, indem das Standard-K98-Kornblatt entfernt wurde. Dies führte zwar zu einer Zunahme von Gewehren mit Zielfernrohr, aber bei vielen dieser im Feld montierten Gewehre war eine Verringerung der Präzision unvermeidlich.

Bis zum Kriegsende 1945 wurden mehr als 100.000 Zielfernrohre vom Typ ZF41 hergestellt, die grösste Produktion deutscher optischer Zielfernrohre während des Krieges. Ungefähr 3.000 waren mit ZF40 gekennzeichnet, 29.000 mit ZF41 (ZF40 und ZF41 wurden später entfernt und ZF41/1 markiert, wenn sie zur Wartung oder Reparatur zurückkamen) und der Rest mit ZF41/1.

Auf dem Zielfernrohr war oft ein zusätzlicher weißer oder blauer kleiner Stempel angebracht, der das verwendete Schmieröl oder -fett angab. Dies war wichtig, da das Öl bei den Minusgraden an der Ostfront stocken oder gar einfrieren konnte.

K.F.: kältebeständiges Fett Invarol, verwendbar bis -20 Grad C – 1940-41
○: Vakuumfett 1416, verwendbar bis -40 Grad C – 1942
+: Instrumentenfett 1442 verwendbar bis -40 Grad C – 1943
△: Instrumentenfett, verwendbar bis -50 Grad C – 1944

Luftwaffensoldat mit ZF41

Luftwaffensoldat mit ZF41

Obwohl das ZF41 wegen seiner Verwendung als Scharfschützenzielfernrohr historisch veraltet ist, hat sich das ZF41 als sehr effizient erwiesen und die Genauigkeit bei mittleren bis hohen Reichweiten erhöht. Diese Genauigkeit war mit offener Viserung praktisch nicht möglich, weshalb das Zielfernrohr die Aufgabe, für die es entwickelt wurde, auch tatsächlich erfüllte.

Der Missbrauch des ZF41 als spezielles Scharfschützenzielfernrohr war auf die mangelnde Planung durch die deutsche Vorkriegsarmee und die wachsende Nachfrage nach Scharfschützenwaffen in Kriegszeiten zurückzuführen.

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