Die Schweizerische Gewehrpatrone 1890 in 7.5mm x53.5

Wie im Ausland, wurden auch in der Schweiz in den 1880er Jahren Anstrengungen unternommen, um für die Gewehrpatronen-Geschosse eine rasantere Flugbahn zu erhalten. Die vom Direktor der Munitionsfabrik Thun, Eduard Rubin, geleiteten Versuche fanden ihren Abschluss durch eine Kaliberreduktion von 10.4mm auf 7.5mm.
Am 26.Juni 1889 beschliesst die Bundesversammlung folgendes:

“Für die Infanterie des Auszuges und der Landwehr, sowie für die Kavallerie, dem Park und das Genie des Auszuges, werden neue Handfeuerwaffen eingeführt mit der offiziellen Benennung Schweizerisches Repetiergewehr Modell 1889”

Die Daten der neuen Patrone Ord. 1890

Geschoss aus Hartblei mit Stahlkappe und Papierumwicklung. Gewicht 13.8g (99% Blei, 1% Antimon)
Kaliber 7.5mm
Patronenhülse Messing (70% Kupfer, 30% Zink)
Ladung 2.0g PC88 Korn Ø1.1 – 1.2 min, Länge ca 1.5mm (99 % Nitrocellulose, 13 % Stickstoff)
Zündung 0.04g Zündsatz in Kupferzündkapsel (48,68% Knallquecksilber, 24.3% Schwefelantimon, 24.3% Kalisalpeter, 2.72% Gummilösung)
V25 590m/s
Druck 2500bar

Die Zündkapsel wurde bis 1893 gegen das Herausfallen mit 2 Meisselhieben gesichert. Ab 1892 wurden die Laborierdaten auf den Hülsenboden eingepresst. Dieser Modus wurde bis heute beibehalten.

Es bedeuten:

obere Zahl : .Farbikationsmonat der Hülse
linker Buchstabe: Herkunft des Messings
rechter Buchstabe: Hülsenhersteller (Munitionsfabrik)
untere Zahl : Fabrikationsjahr der Hülse

Bei den Waffen erfolgte die Kaliberreduktion durch sukzessive Einführung folgender Modelle, alle im Kaliber 7.5mm

In allen diesen Waffen wurde die Patrone Ordonnanz 1890 verschossen. Es zeigten sich aber bald starke Korrosionserscheinungen im Laufinneren. 1900 wurden deshalb Versuche mit einem, dem Nitrocellulosepulver PC 88 besser angepassten Zündsatz, der das Rosten des Laufes verhindern sollte, begonnen. Ein dem vorgesehenen Zweck entsprechender Zündsatz konnte dann in der Patrone Ausführung 1903 zur Verwendung gelangen.

Daten der verbesserten Patrone 90/03

Gewehrpatrone 1890/03

Bezeichnung 90/03
Geschoss aus Hartblei mit Stahlkappe und Papierumwicklung. Gewicht 13.8g (99% Blei, 1% Antimon)
Kaliber 7.5mm
Patronenhülse Messing (70% Kupfer, 30% Zink), dachförmige innere Bodenform
Ladung 2.0g PC88 Korn Ø1.1 – 1.2 min, Länge ca 1.5mm (99 % Nitrocellulose, 13 % Stickstoff)
Zündung 0,058g Zündsatz in Messingkapsel, Kowposition 1903
(40% Knallquecksilber, 32% Bariumnitrat, 22% Schwefelantimon, 3% Kohlensaures Barit, 3% Glaspulver)

Daten der verbesserten Patrone 90/23

Bezeichnung GP 90/23
Geschoss aus Hartblei mit kupfernickelplattiertem, ogivalem Stahlmantel. (95% Blei, 5% Antimon)
Gewicht 12.25g
Kaliber 7.5mm
Patronenhülse Messing (72% Kupfer, 28% Zink), dachförmige innere Bodenform
Ladung 2.18g Blättchenpulver 1.5 x 1.5 x 0.5mm (95 % Nitrocellulose, 13% Stickstoff)
Zündung 0,058g Zündsatz in Messingkapsel, Kowposition 1903
(40% Knallquecksilber, 32% Bariumnitrat, 22% Schwefelantimon, 3% Kohlensaures Barit, 3% Glaspulver)
V25 590m/s
Druck 2000bar

Die “blinden” Patronen

Hit der Kaliberreduktion von 10.4mm auf 7.5mm im Jahre 1390 wurde auch eine neue blinde Patrone mit Kaliber 7.5mm hergestellt. Diese hatte ein rotes ausgebohrtes Lindenholzgeschoss. Diese blinde Patrone Ord. 1890 hatte die gleiche Länge wie die scharfe Patrone.

Hit der Einführung der neuen Patrone Ord. 90/03 wurde auch eine neue blinde Patrone angefertigt.

Um Verwechslungen mit der scharfen Patrone zu verhindern, wurde diese blinde Patrone mit einem verkürzten, brün gefärbten und ausgebohrten Lindenholzgeschoss versehen.
Diese blinde Patrone hatte nun eine Länge von 70mm gegenüber 77.5mm nun der scharfen Patrone. Die Ladung bestand aus 0.8g Rotpulver. Um das Einbringen von scharfen Patronen in die weissen Lader für Blindpatronen zu verunmöglichen, wurden diese Lader mit einer Holzeinlage versehen.
Diese blinde Patronen findet heute nur noch Verwendung im Leichten Maschinengewehr LMG 25.